Marktplatz 177, 3610 Weißenkirchen, +43 (0) 2715 2268, info@teisenhoferhof.at

  • Facebook Clean

 Herzlich willkommen im Teisenhoferhof ! 

Dieses eindrucksvolle Gebäude  des Thal Wachau im Ortskern von Weißenkirchen blickt auf eine lange Entstehungsgeschichte zurück: Einzelne Mauerreste im Bereich des Westtrakts lassen auf eine Nutzung schon in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts schließen. Nach dem Jahr 1334 ließen die damaligen Wachauer Grundherren, Hans und Leuthold von Kuenring,  für die Errichtung des Marktplatzes vor dem Hofeingang zwei zuvor im Besitz des Stiftes Freising stehende Häuser abbrechen.

 

Das Gebäude wurde später unter seinem namens gebenden Besitzer, Hainrich Teisenhofer,  Mitte des 15. Jahrhunderts umfangreich im spätgotischen Stil erweitert. Auf das Jahr  1451 lassen sich die noch heute sichtbaren Deckenbalken in der Torhalle des Hofes dendro-chronologisch datieren. Teisenhofer, ein einflussreicher Bürger und mehrmals belegtes Mitglied des Rates im Thal Wachau, ist zwischen 1439 und 1468 in der Wachau belegt. Er entstammt einer bischöflich freisingischen Ministerialenfamilie mit dem Stammsitz unweit von Freising in Bayern und ist in verschiedensten Wappenbüchern der Zeit vertreten. Sein Wappen befindet sich oberhalb des Eingangstores am Marktplatz.

 

Daneben war der Hof bis ins 18. Jahrhundert auch als „Schützenhof“ bekannt. Vermutlich, weil im Innenhof unter anderem auch Armbrustschießen durchgeführt wurden. Den wehrhaften Charakter des Hofes unterstreichen auch die erhaltenen Türme und Mauern, die gemeinsam mit der um 1530 wegen des Türkenkrieges ausgebauten Befestigung der Wehrkirche Mariae Himmelfahrt eine Einheit zum Schutz der Bevölkerung bilden sollten.

 

Im Jahr 1525 erwarb Michael Gebl, damals Reichspawzahlmeister und Ambtsverwalter der Befestigung Wiens,  gemeinsam mit den dazugehörigen Weingärten den auf 1.867 Pfund Pfennig geschätzten Hof (mit einem damaligen Gegenwert von mehr als 4 kg Gold). Nach dem Jahr 1540 wurde unter Michael Gebl , der schon 1525 als Baumeister des spätgotischen Chores der Pfarrkirche belegt ist, der ursprünglich zweigeschossige  Arkadenhof des Hofes im Renaissancestil errichtet.

 

Unter seinem Sohn Gebhardt, der von 1549 an bis zu seinem Tod 40 Jahre lang ohne Unterbrechung Ratsmitglied im Thal Wachau war und mehrmals als Marktrichter amtierte, erreichte der Hof eine letzte Blütezeit.  

 

Gebhardt Gebl, teilweise durch skrupellose Spekulationsgeschäfte zu namhaftem Vermögen gekommen, stattete – wie die reichen Inventarlisten im Marktarchiv Weißenkirchen belegen – den Hof in der Folge unter anderem mit einer Schreibstube, einem Bad, einem Tanzsaal sowie mit einer eigenen Rüstkammer aus. In Überschätzung seiner Macht veranlasste Gebl  im Jahr 1579 den Rat der Gemeinde  auch die Grundherrschaft Dürnstein zu pachten.

 

Doch vor allem durch die schlechten Ernten zwischen 1580-90 bedingt, kam es zu wirtschaftlichen Problemen: So verfaulen laut den Aufzeichnungen im Marktarchiv  in dieser Periode infolge des einsetzenden Klimawandels (Beginn der Kleinen Eiszeit) die Trauben durch nasskaltes Wetter bereits am Stock. Mit dem Tod Gebls, den in der Gegenreformation aufbrechenden Religionskonflikten, den hohen Türkenkriegssteuern sowie  Aufständen verarmter Bauern verstärkte sich der wirtschaftliche Niedergang auch im Thal Wachau, so dass die hochverschuldete Gemeinde  1605 den Hof wieder verkaufen musste.

 

In der Folge wechselte der Teisenhoferhof häufig seine adeligen Besitzer, die wenig Interesse  hatten, in die Erhaltung des Gebäudes zu investieren. 1793 wurde das Dachgeschoss bei einem großen Brand im Ortgebiet stark beschädigt und die Anlage stand vor einem langsamen Verfall. Erst 1942 wurden im Süd-und Westtrakt des Teisenhoferhofes durch das Bundesdenkmalamt teilweise historisierende Rekonstruktionen vorgenommen.

 

Nachdem in der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts der Hof je zur Hälfte in Privatbesitz und des Landes Niederösterreich war, steht der Teisenhoferhof jetzt zur Gänze im Eigentum der Marktgemeinde Weißenkirchen. Heute wird er als lebendiger Begegnungsort mit Geschichte wieder vorwiegend für öffentliche und kulturelle Veranstaltungen genützt.